Ingnahl Magadan, Vor-Geburt: 15.05.1966 in Münster als Nahlah Engeline Nabih Fuad Saimeh, *20.08.2018 in Düsseldorf
Ingnahl Magadan ist eine deutsche Konzeptkünstler*in. Das zentrale Thema ihrer Arbeiten mit den Medien Fotografie, Video, Video-Performances, Kleidung, Objekten und Lichtobjekten sowie Lyrik und Sound-Pieces ist die Unendlichkeit des Seins und die Überwindung der dualistischen Illusion von „Leben“ und „Tod“.
„Mein Kernthema ist Liebe. Sie ist die Energie, aus der alles, was existiert, hervorgeht und in die alles, was existiert, zurückkehrt. Sie ist so stark und so unbedingt, dass sie faktisch das, was wir „Tod“ nennen, nicht kennt. Liebe macht nicht blind. Das Gegenteil ist der Fall, sie macht sehend. Sie kann dazu führen, dass wir wirklich begreifen, dass es keinen Gegensatz gibt von Leben und Tod. Liebe löst diese Grenze vollständig auf. Sie existiert nur in unserem Bewusstsein. Für mich ist allerdings die Kunst die einzig mögliche Ausdrucksform, das Unsagbare, das mit dem dualistisch arbeitenden Verstand nicht Begreifbare, sichtbar und erfahrbar zu machen.“
Die Geburtsstunde von Ingnahl Magadan fällt zusammen mit einer tiefen spirituellen Erfahrung durch ihren verstorbenen Lebens-Menschen, den Künstler Ingolf Timpner (1963 – 2018). Ingnahl Magadan zufolge ist Spiritualität für den Menschen der Moderne schwer zuzulassen. Die theoretische Physik vermag das Tor zur „Metaphysik“ zu öffnen, aber das „fühlende Erahnen“ einer solchen Dimension bleibt nach Ansicht von Ingnahl Magadan letztlich Aufgabe der Kunst. Das Werk befasst sich nicht mit Glaubens-Lehren, auch wenn christlich-ikonographische Chiffren und Narrative häufig herangezogen werden. Ingnahl Magadan versteht diese als Beleg für eine im Menschen grundsätzlich angelegte Befähigung zur Erkenntnis.
„Ich arbeite immer wieder mit christlich-ikonographischen Anspielungen, wie sie im Übrigen ja die abendländische Kultur bis in die Pop-Kultur hinein prägen. Aber es geht mir nicht um Religionen. Ich selbst interessiere mich für ZEN. Warum ich auf diese Chiffren und Narrative zurückgreife, hat einzig den Grund darin, dass sie das beste formale Ab-Bild meiner spirituellen Erfahrung ermöglichen, hinter die ich mit meinem Blick auf das Leben nicht mehr zurücktreten kann. Diese Chiffren und Narrative sind für mich unerwartet plötzlich zu etwas Erfahrbarem, etwas faktisch Erlebbaren geworden. Aber der Kern dieser Erfahrung ist nicht beschränkt auf eine Religion. Man braucht nicht mal eine Religion dazu. Diese Chiffren sind zu meiner künstlerischen Sprache geworden. Nichts weiter.“
Zugleich verweist die Künstler*innen-Person Ingnahl Magadan darauf, dass durch die unverbrüchliche Liebe zweier Menschen eine Existenz-Dimension lebbar ist, die Raum, Zeit, Leben und Tod überwindet. Mit ihrem Künstler*innen-Namen Magadan bezieht sie sich auf eine der alten Ortsbezeichnungen für den heutigen Ort Migdal im Westjordanland und damit auch im weiteren Sinne auf ihren genetischen Ursprung. Schon der Name und ihr Geburtsdatum sind Teil ihrer Konzeptkunst und transformieren ihre Biographie in die Kunst selbst.
„Gegenwärtig brauche ich diese vielen verschiedenen Ausdrucksformen und will sie ausloten. Es gibt für mich nicht dieses eine Medium, um mein Kern-Thema auszudrücken. Jedes von mir gewählte Medium ermöglicht mir, eine Erscheinungsform zu finden für das, worum es mir geht. Aber am Ende dieses Weges muss ein reines „So-Sein“ stehen, ein An-wesend-sein, mit dem es gelingen mag, Menschen zu berühren. Das größte Glück für mich wäre, wenn mein letztes Werk nur noch aus einem Blick bestünde. Dann kann ich gehen.“